Über selbstkritische Reflexion

Wichtiger Satz vorab: Dieser Text ist in der letzten Woche entstanden, wo langsam der Beschluss mich zu ändern und meine Arbeit zu ändern in mir gereift ist. Er hat nichts mit der Niedersachsen-Wahl zu tun, sondern nur mit meiner Wahrnehmung der Performance der Fraktion…


Ich möchte diese Grundsatzrede halten, weil in mir ein Konflikt schwelt, dem ich anders nichts mehr beikommen kann. Ich habe darum gebeten, ein paar Minuten reden zu dürfen, weil ich glaube, dass wir am Ende davon profitieren können.

Wir sind hier eingezogen als Versicherungskaufleute, Filmproduzenten, Juristen, Feuerwehrleute. Wir kamen als Lehrerinnen, Netzwerkadmins, Systemadministratoren, als Polizeikommissare und Unternehmer. Jetzt sind wir Berufspolitiker. Ihr, genau wie ich.

Es gibt genau drei Dinge, die uns in dieses Parlament gebracht haben: wir sind neu, wir sind anders, wir wollen etwas ändern. Trau keinem Plakat, denk selbst, informier dich, klarmachen zum Ändern. Wir sind jetzt seit acht Monaten in diesem Parlament und wir haben etwas verändert. Wir sitzen in den Ausschüssen, wir stellen unsere Anträge, wir haben etwas verändert. Wir haben Vorschläge zur Geschäftsordnung, stellen kleine Anfragen, wir haben etwas verändert. Wir reden öffentlich immer schlauer daher und der Workflow wird immer besser… Ja, wir haben etwas verändert. Uns! Uns haben wir verändert. Ihr, genau wie ich.

Wir haben mitgemacht. Wir haben uns angepasst, aus Angst nicht eingeladen zu werden. Aus Angst etwas zu verpassen und nicht in die “inneren Kreise” vorgelassen zu werden. Wir haben jedes Gremium besetzt, haben jede Anfrage beantwortet, sind zu allen wichtigen Terminen gegangen und haben überall mitgeredet. Wir haben kein Thema im Landtag ausgelassen, sind im Plenum und medial über jedes Stöckchen gesprungen, dass uns hingehalten wurde.

…aber ist das wirklich die Arbeit im Parlament, die wir uns immer vorgestellt haben? Sind wir dafür gewählt worden? Erwarten die Wähler von uns, dass wir uns zu Tannenbaum-Anträgen äußern, zum Berlin/Bonn-Gesetz oder zur Benamsung einer Fregatte? Ich behaupte, dass sie das nicht tun. Ich behaupte, dass wir sie enttäuscht haben mit dem Versuch, so zu werden wie die anderen. Mit Beiträgen zu jedem Quatsch und völlig beliebigen Pressemitteilungen. Mit anbiedern. Die Wähler haben erwartet, dass wir die Demokratie entkrusten.

Stattdessen sind wir nur eine neu aufgetragene Schicht, die langsam eindickt und hart wird. Wir trauen uns nicht auszubrechen, wir lassen uns von diesem System “Landtag” vereinnahmen. Wir haben gedacht, die warmen Worte von “mal gucken was die so wollen” und von der “Politik der Einladung” wären ehrlich und ernst gemeint. Aber beinahe alle unsere Anträge werden einfach abgelehnt. Kommentarlos. Weil sie von uns sind! Das haben wir so nicht gewollt, wir wollten Kooperation statt Konfrontation…

Mir reicht’s jetzt. “Haut doch alle ab!” stand bis vor kurzem an meiner Tür, garniert mir einem freundlichen Mittelfinger. Das meine ich jetzt auch so! Mein Kanal ist randvoll! Das erinnert mich an eins meiner geliebten Songzitate: “Ich sehe es als meine Pflicht nicht wie ein kleiner Spießerwicht auf der Schicht zu funktionieren, sondern zu schockieren um euch zu animieren.” – das werde ich jetzt leben und ich lade jeden ein, diesen Weg mit zu gehen.

Ich werde nur noch die Themen beackern, zu denen ich wirklich etwas sagen kann und will. Die Entstehung von Staatsverträgen ist wesentlich interessanter und hinterfragenswerter, als der Inhalt, den wir eh nicht mehr ändern können. Wir stellen Finanzanträge, die gewissen gesellschaftlichen Gruppen vor den Kopf stoßen?! Ist das so? Ja dann ist das so! Es steht in unserem Programm. Bertelsmann, die Kirchen, die Kammern: So lange sich die Politik denen gegenüber nicht ändert, sind die einfach ein rotes Tuch. Die Vertriebenenverbände und die Stiftungen der Parteien allerdings auch, das kann man aus unseren Forderungen ableiten. Dann treten wir denen eben auf die Füße mit unseren Anträgen.

“Keine Kompromisse mehr, denn ich bin der, der eure Spielregeln bricht und sag es euch ins Gesicht”: nur noch die Kleiderordnung im Parlament, die mir gefällt! Ich habe im T-Shirt auf der Straße gestanden und mit einem einfachen Hoodie im Fernsehen Interviews gegeben. Ich weiss um meine besondere Rolle in dem Fall. So haben uns die Leute gewählt, das haben sie bestellt, das sollen sie bekommen. Sicherlich sehe ich gut aus mit Hemd und Jacket, aber die ziehe ich nur an, wenn ich mich danach fühle und nicht weil das eine Vereinbarung der Fraktionen (der wir nichtmal zugestimmt haben!) so vorschreibt.

Wir haben in vielen Bereichen keine Meinung, die müssen wir noch bilden. Wir sind immer noch eine junge Partei und wir haben eh das Image mit dem Mut zur Lücke zu arbeiten. Warum rudern wir so vehement gegen den Strom? Lasst uns einfach mal hinstellen und sagen: Hier haben sich die Piraten noch keine Meinung gebildet. Gleichzeitig machen wir doch mal das mit dem LQFB und dem wikiarguments, dem doodle oder sonstwas.

Kleine Umfrage zum wach rütteln: Was glaubt ihr, wie viele MdL innerhalb der letzte 7 Tage im LQFB aktiv waren? EINER (außer mir)! ZEHN waren länger als einen Monat nicht mehr eingeloggt…
Was glaubt ihr, wie viele MdL nicht auffindbar sind im LQFB (ich will nicht sagen, keinen Account haben, kann ja ein unbekanntes Pseudonym sein, aber die Meinung als MdL zu verstecken fände ich “strange”!)? VIER! Basisbeteiligung sieht anders aus!

Wir verbrennen uns hier. Unser Wählerpotential haben wir schon verbrannt. Das entnehme ich nicht aus dem Ergebnis der Wahl in Niedersachsen, nicht aus irgendwelchen Umfragen, sondern aus Gesprächen mit Freunden und sogar engen Verwandten, die jetzt wieder etwas anderes wählen würden. “Ihr habt eure Versprechen nicht gehalten. Ihr seid wie die anderen…” muss ich da hören. Das macht mich traurig und bisher bin ich aus solchen Gesprächen immer in eine Richtung rausgegangen: Noch mehr arbeiten, noch mehr Termine, noch mehr Aktivität. Aber dieses Hamsterrad führt nirgendwo hin!

“Der Kampf geht weiter so lang’ bis ihr erkennt, dass wir Schritt für Schritt dem Abgrund näher sind, blind im Labyrint (Parlament) uns die Zeit durch die Finger rinnt.” – Wir haben noch viereinhalb Jahre Zeit, hier im Landtag etwas zu verändern. Das machen wir nicht, indem wir uns anpassen. Das machen wir nicht, indem wir uns wie die LINKE in Lager spalten, Luftschloss-Anträge stellen und am Ende so verzweifelt sind, dass wir sogar unserem eigenen Todesurteil einstimmig zustimmen würden.

Ich will diese Verzweiflung nicht mehr. Ich will gut begründete, durchge-basis-te Anträge stellen und bei Ablehnung per Web2.0 wild um mich schlagen. Ohne, dass ich dafür durch die Fraktion gerügt werde. Ich will mich abheben von dem Klischee “Linke mit Internet-Anschluss”. Keine sozialromantischen Träume, man könne im NRW-Parlament das Weltfinanzsystem stürzen oder heilen. Keine Anträge zur Bundespolitik mehr, die einfach nur “gegen etwas” sind. Sachliche Kritik auf allen Kanälen gerne! Aber realistisch bleiben. Ich will ich selber bleiben, nach außen und nach innen. Ich will Plenarreden im Kapuzenpulli und Pressestatements die “noch keine Ahnung” haben.

Rundgelutschte Politprofis haben die Anderen schon genug. Meine Ecken und Kanten sind schon ziemlich angeschliffen – das Profil wieder zurück zu bekommen wird ein harter Weg. Aber ich werde ihn gehen. Ich möchte jeden dazu einladen, mitzukommen. Wir waren anders und sollten das auch wieder sein, wir wollten die Politik verändern und nicht uns. Wir wollten das große Update sein und nicht nur in kleiner Bugfix. Weniger Parlamentsarbeit und mehr darüber reden, was wir tun, warum wir es tun und wie wir es tun. Gesprächsbereit in alle Richtungen, aber auch mal beleidigt sein dürfen, wenn die anderen wieder nur den Honig saugen wollen. Ehrlich bleiben. Zu den Bürgern, zu Mitgliedern, zu Kollegen, aber vor allem zu sich selbst.

Nur so sehe ich einen Weg wieder in der Spiegel sehen zu können und mit reinem Gewissen zu sagen: “Klarmachen zum Ändern!”

P.S.:
Ich wurde nach dem Lied gefragt, hier ist es:
http://www.myvideo.de/watch/7054236/SUCH_A_SURGE_schatten

59 Comments

  1. Jacky Neiwel22. Januar 2013

    Hör auf mit der Methaebene, dieses Esoterikverwandte Gedudel hält doch keiner aus. Nicht, dass mir das etwas bedeuten würde, wenn die alle so verkalkt sind, aber ich konnte aus meiner Familie, vermutlich wegen diesen Lebensstilfragen, niemanden in Niedersachsen dazu verleiten die Piraten zu wählen. Das ist den Leuten einfach zu uneffektiv, sorry.

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  2. Enno Lenze22. Januar 2013

    so viel zu lesen am frühen Morgen. Aber leider wahr :

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  3. Arndot22. Januar 2013

    Juhuu, wir kriegen unseren alten Mmarsching wieder 😉

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  4. Fulleren22. Januar 2013

    Danke für diesen Beitrag.
    Ihr seid Opposition, ob ihr im Parlament etwas zustimmt oder nicht ist bei den Mehrheitsverhältnissen völlig irrelevant.
    Das Plenum hat an Bedeutung verloren, die eigentliche Arbeit wird in den Ausschüssen gemacht.
    Es ist daher kein Wunder das viele Parlamentarier darauf verzichten im Plenum zu sitzen, denn dort werden keine neuen Argumente ausgetauscht. Die Regierung stimmt geschlossen für ihre Anträge und gut ist. Ihr könnte die verlorene Transparenz der Debatte wiederherstellen indem ihr die Ausschußarbeit öffentlich macht.
    Eure Aufgabe ist es aufzuzeigen wo in Regierungsentwürfen die Fehler liegen, und diese öffentlich zu machen. Natürlich ist konstruktive Kritik besser, also wenn ihr einen besseren Vorschlag habt: “dann raus damit”, aber ihr seid die kleine Fraktion einer kleinen Ehrenämtlerpartei und verfügt weder um die Geldmittel der Regierung noch über den Mitarbeiterstab eines Ministeriums. Niemand erwartet, dass ihr alle Probleme der “Welt” löst, aber ihr könnt:
    – Informationen transparent machen, an die man nur als Fraktion gelangt (und damit die Arbeit der AGs stärken)
    – öffentlich machen worüber gerade diskutiert wird (Transparenz herstellen)
    – Fehler aufzeigen
    – Alternativen vorschlagen
    – die Inhalte der Piratenpartei öffentlich machen (Das verbessert die Wahrnehmung der ganzen Partei. )

    Ihr seit gewählt worden um:
    – den Finger in die Wunde zu legen,
    – um Leuten ans Bein zu pissen,
    – um die Inhaltliche Arbeit auf belastbare Informationen zu stellen und
    – um Ideen aus der Basis und von den Bürgern in die Parlamente einzubringen.

    Wo es Piraten in Parlamenten gibt darf es später nicht heißen: “Das war nicht abzusehen” oder “Niemand konnte was Wissen”.

    Mein Eindruck war bisher, dass ihr versucht habt den Respekt der anderen Parlamentarier zu erringen. Das ist schon OK, aber die werden dadurch nicht zu Piraten oder zu Piratenwählern. Es wäre besser, den Respekt der Basis und den Respekt der Bürger zu erringen.

    Und ja es wird Zeit deutlich zu machen, dass der Anzug niemanden seriös und respektvoll macht. Wenn einem ein Bankster faule Wertpapiere andreht, wird es dadurch seriös und zeigt es seinen Respekt, wenn er dabei einen Anzug trägt?
    Ja, die Bürger wollen seriöse Politiker aber zumindest den Piratenwählern war es egal welche Kleidung sie dabei tragen.

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  5. jh22. Januar 2013

    was hier draussen – bis auf rechtfertigungsgeschwurbel nach irgendwie missglückten tweets – von eurer fraktionsarbeit ankam: nichts. was schade ist, weil ich nicht glaube, dass ihr den ganzen tag nur in der nase popelt. und ja, verdammt, wenn der bürger nicht mitmachen will dann muss man sich vielleicht mal auf den marktplatz stellen und “sagt mir, was ihr wollt” schreien. das da oben klingt schon mal sehr gut, ich wünsche viel mut und durchhaltevermögen! (kein pirat)

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    […] Michele Marsching (MdL NRW): Über selbstkritische Reflexion […]

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  7. marc22. Januar 2013

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    sehr schön. das geht genau in die richtige richtung. aber eines hätte ich gerne. positioniert euch als piraten. hin und wieder ist “wir haben noch keine position” ja erfrischend und ehrlich. aber es gibt auch dinge, da kann man als abgeordneter klar stellung beziehen

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  8. @cyberkalle22. Januar 2013

    Sehr gut. Macht das was euch interessiert, arbeitet projektorientiert und vertritt das, was die Piraten dazu sagen auf der Straße. Wenn Ihr es im Parlament nicht schafft etwas zu bewegen, dann mit Sicherheit außerparlamentarisch. Die Leute wollen mit Ihren Problemen nicht alleine da stehen und ernst genommen werden.

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  9. Ansgar Thüs22. Januar 2013

    Genau so und nicht anders… schön das wir nun endlich mit dieser Weichspülei ein Ende setzen.

    Dazu fällt mir noch etwas ein. SUCH A SURGE – Gegen Den Strom
    https://www.youtube.com/watch?v=WMDQjHRHddY

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  10. Amaryllion22. Januar 2013

    Bravo! Es ist an der Zeit, daß sich Texte wie Deiner mehren! 🙂
    Wir wollten das System hacken und nicht umgekehrt – und das können wir noch immer. Wenn die Piraten aufhören, sich von den angeblich alternativlosen Zwängen (Programm! Presse! Parlamentarischer Alltag! Charismatische Köpfe!) in falsche Richtungen treiben und mundtot machen zu lassen.

    Wer in einem Landesparlament sitzt, der hat um einiges mehr Möglichkeiten. Verlest z.B. “Geheim”-Unterlagen im Parlament (statt einer der üblichen Büttenreden). Prüft mal, was ihr alles als MdL straflos dürft und nutzt das aus – und überlaßt die tollen Einladungen, die Papierberge über Hundeklos und die alternativlosen Zwänge den anderen Parteien. 🙂

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  11. Landpirat22. Januar 2013

    Klasse, Michele!

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  12. Sabine Engelhardt22. Januar 2013

    Ich frage mich, ob die Erwartungen da nicht auch zu hoch gesteckt sind. Die Piratenfraktion ist eine Minderheit und will wesentliche Änderungen im System bewirken. Das paßt nicht zusammen.

    Botschaft für die Wähler: Was wir wollen, braucht Zeit, das geht nicht in einer Legislaturperiode und schon gar nicht, wenn man in der Minderheit ist und die eigenen Anträge schon aus Prinzip abgebügelt werden (die Linken im Bundestag haben ja ähnliche Erfahrungen).

    Botschaft an die anderen Fraktionen: Anträge abbügeln, nur weil sie von einer bestimmten Fraktion kommen, ist ja mal sowas von undemokratisch. Macht nur weiter so, Ihr zeigt damit, wessen Geistes Kind Ihr seid.

    Gruß, Frosch

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  13. Udo Pütz22. Januar 2013

    Michele, du hast schon kurz nach Weihnachten eine Email auf die NRW Liste geschickt, die viel von den Aussagen schon erahnen ließ. Ich teile deine Auffassung voll und ganz und habe meine Meinung – mit ziemlich genau dem Tenor – schon div. MdLs und MdB-Aspiraten mitgeteilt. Fulleren drückt äußerst passend meine Punkte aus!
    Tretet eurer Pressestelle auf die Füße, wir (die Basispiraten und Bürger generell) brauchen mehr Aktionen wie die Keller-Casts von Nico und Grumpy von 20Piraten, nicht “kleine Anfragen” deren Antworten dann noch nicht mal bei betroffenen Städten ankommen!
    Michele, die Stoßrichtung finde ich super und ich traue dir auch zu, dass zu packen!
    Dann brauchen wir danach nur noch einen passenden LVor dazu – damm wirds auch wieder was mit Politik bei den Piraten und nicht nur Paragrafen/Satzungreiten und Kandidatenküren!
    Schönen Gruß aus Aachen,
    Udo Pütz

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  14. Thumay22. Januar 2013

    D A N K E ! Bitte teile dies auch unseren anderen Mandatsträgern (auch in anderen Ländern) mit!
    Ein Mensch sollte immer an seinen Taten und nicht seinen Worten gemessen werden. – Hier haben wir Piraten sehr viel versprochen und bisher verdammt wenig an Taten folgen lassen.
    Wir haben die Stimme der Nicht-Wähler geliehen bekommen, weil wir ihnen Hoffnung auf Veränderung gemacht haben. Bitte verprellt sie nicht, sondern seid Euch dieser Verantwortung bewusst und geht damit entsprechend um!

    Beste Grüße
    Thumay

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  15. Haary22. Januar 2013

    Dein Beitrag ist mir sympathisch, wenn ich auch einige Dinge nicht teile, was aber an der Perspektive liegen mag. So werden die 20Piraten in meinem Umfeld sicher nicht als “Linke mit Internetanschluss” oder Sozialromantiker wahrgenommen, sondern – spätestens seit Roberts Wort von “lasst die Sparkassen pleite gehen” – als knallharte Neoliberale mit Internetanschluss. Aber das nur am Rande.

    Das mit dem verbrennen und verzetteln sehe ich auch so. Die Piraten müssen nicht zu allem etwas sagen müsen. Den Satz im heutigen Protokoll zum Fregattenantrag “Michele findet den Antrag doof” fand ich sehr erfrischend. Ich hoffe ja, dass er auch so im Plenum gebracht wird. Übrigens weiß ich aus zuverlässiger Quelle, dass das mit dem Verzetteln und verbrennen genau das Problem war, das die Linke im Landtag auch hatte. Deswegen wurde sie am Ende nicht auch nicht mehr wahrgenommen.

    Gewisse Formalien müssen eingehalten werden, siehe Geschäftsordnung des Landtages. Sonst kommen Anträge und Anfragen zurück. Aber müssen die Anträge und Anfragen unbedingt in Parlaments-Fachsprech verfasst sein? Ich sehe keinen Punkt in der GO der das festlegt.

    Ansonsten: Das was Fulleren sagt

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  16. Jürgen Hansen22. Januar 2013

    Mein lieber Mann, ich nehme meinen virituellen Hut ab vor Ihnen Herr Marsching. Als alter Mann gebe ich zu, mich wohl doch noch mal in einem Menschen geteuscht zu haben. Ich dachte immer mir ist das alles in meinem Leben schon mal vorgekommen, haste alles schon mal erlebt und gesehen. Für mich waren sie bisher ein arroganter, eingebildeter Emporkömmling, den wir die “einfachen Leute” in unserer Partei auch noch auf ein Podest gehoben haben. Ein Mann den wir zur Elite erhoben haben, wie so manch anderen Fraktionsfuzi und Vorstandslackel. Wenn das in Ihrem inneren abläuft, wovon ich gerade gelesen habe, dann ist es noch nicht zu spät, dann können wir noch was reißen für diese Partei, die auch die meine ist. Ich habe selbst darüber geschrieben in meinem o.g. Blog, nur habe ich natürlich nicht Ihre Reichweite. Und bin auch nur ein einfacher Maurermeister, Handwerker halt. Aber das was sie oben schreiben habe ich schon vor Monaten erkannt und predige in meinem kleinen Kreis darüber, das ich schon Fluseln an meinem Mund habe. Ich will Sie unterstützen, wenn das war wird was Sie gerade geschrieben haben. Ich strebe weder nach Amt noch nach Mandat, ich brauche auch keine fleckenlose Weste wie so manch anderer und ich bin bestimmt nicht der Heiland für diese Partei, wofür sich so mancher in unseren Reihen inzwischen hält. Ich bin Otto-Normalverbraucher, aber ich bin der, der genau wie meine jungen Mitstreiter hier in GE fast jedes WE mit einem Pavillon an der Straßenecke steht und mit dem Bürgern redet. Und ich sage Ihnen Herr Marsching, es wurde von Woche zu Woche schwieriger den Leuten piratige Politik rüber zu bringen. Nur von unserer Führung hat es keiner wahrnehmen wollen, alle waren viel zu viel mit sich selber beschäftigt. Es kam mir so vor als hätten unsere Oberpiraten ein Fußballspiel angepfiffen und noch vor der Halbzeit das Spielfeld verlassen, aus Angst vor den Hulligans. Alle arbeiten nur noch auf die AV Pampa zu und einen guten Platz auf der Liste. Bundeleute zerkleinern sich in Zank und Streit. Gründen fragwürdige Vereine, treten zurück und werden für gleiche Aufgaben neu berufen. Großer Gott wo sind wir bloß hingekommen. NDS war erst der Anfang, wenn wir das Ruder nicht rumreißen ist die nächste Schlappe vorprogramiert und die heißt BT.
    Piratige Grüße aus Gelsenkirchen
    Jürgen Hansen
    PS. Shitstürme und Beleidigungen gehen mir am langen Kreuz vorbei.

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    1. Jeevy23. Januar 2013

      Schön geschrieben! Wenn wir uns treu bleiben und wirklich wollen, dann können wir überzeugen und werden schaffen 🙂

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  17. Behling Michael alias @Inoxis6322. Januar 2013

    Jawohl ! Endlich!
    Meine hundertprozentig Unterstützung hast Du!

    Überlegen was will der Bürger eigentlich. Bürger fragen.

    Umsetzung mõglich?
    Und dann machen!!!

    Michael Behling
    @Inoxis63

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  18. pschiffer23. Januar 2013

    Danke, Michele.
    Aus Gesprächen mit anderen MdLs aus dem Landtag habe ich herausgespürt, daß du nicht alleine mit diesen Gefühlen bist. Und: du hast recht.

    Ich gehe diesen Weg mit Dir und würde gerne nach der AV Pampa gemeinsam mit Dir und anderen Piraten auf dem Tag der politischen Arbeit am 16. Februar in Düsseldorf eine grundsätzliche Diskussion darüber führen, wie wir das in Zukunft am besten anpacken.

    Die Kommentare von so vielen tollen und engagierten Piraten hier zeigen auf, daß Gesprächsbedarf und Hoffnung besteht, daß wir uns gemeinsam scharf in den Wind legen können.

    Ich hoffe, es kommen viele dorthin.

    Antworten
  19. Carsten Trojahn23. Januar 2013

    Do it Michele! Ich freue mich schon wenn Du wieder eckig und kantig bist! 😀

    Antworten
  20. Frustriert!23. Januar 2013

    LQFB ist doch nutzlos, ein Spielzeug. Ich war da schon seit 1 Jahr nicht mehr eingeloggt. Wozu auch ? Solange damit keine Beschlüsse gefasst werden können welche dann bindend sind ist das doch leider alles ziemlich nutzlos !

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  21. andy müller23. Januar 2013

    DER TEXT UND DIE ANTWORTEN GEBEN HOFFNUNG!
    Ich bin kein Pirat aber interessierter Sympathisant.
    Mir fehlt bei euch eine klare Vision und bitte verbessert eure Kommunikation mit dem Bürger (nicht nur Internet).

    ICH WEISS DAS WIR ES KÖNNEN UND WÜRDE GERN GLAUBEN DAS WIR ES AUCH WIRKLICH MACHEN!

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  22. Slash23. Januar 2013

    Wow… einer der wohltuendsten Sinneswandel, die ich in den letzten Tagen von einem Piraten gelesen habe. Da kann ich nur sagen:
    Fuck yeah, mach’ das. Wenn ich mitbekomm’, wie dir einer aus unseren Reihen deshalb krumm kommt, würd’ ich dich vehement verteidigen.
    2 Dinge möcht’ ich aber noch anmerken:
    Das berüchtigte piratige “keine Ahnung” ist eher selten die Wahrheit, weil es indirekt etwas komplett leugnet: Eine rege interne Diskussion auf teils beachtlichem Niveau, die halt bloß noch keinen Beschluss hervor gebracht hat.
    Deshalb fand ich den Rückgang dieser Gepflogenheit auch gut; diese Gepflogenheit war häufig einfach nicht sachgemäß. Besser wäre es gewesen, hätte man statt dem ein oder anderen “keine Ahnung” lieber den momentanen Diskussionsstand in der Piratenpartei zum Thema X ausgesprochen – das wär’ ehrlich gewesen; ehrlicher gegen über der Öffentlichkeit, der diskutierenden Basis und insgesamt sachgemäßer…
    Ja, und das zweite, was ich noch anmerken wollte… ja, genau, die Tagespolitik – also, grundsätzlich find’ ich das mit dem “nur die Themen, die einen bewegen” vertretbar – ich würd’ damit aber nicht die Tagespolitik komplett ausblenden.
    Tagespolitik überschneidet sich nämlich teils stark mit unseren Kernthemen – siehe die Nummer mit den katholischen Krankenhäusern und den Vergewaltigungsopfern – womit es da echt angebracht ist, dass wir uns da gegebenfalls engagiert einmischen; insofern ist unser momentanes Handeln zu diesem beispielhaft angeführten Thema vorbildlich. Es gibt da aber noch ‘nen Grund:
    Im Rahmen der Piratenpartei ist die Fraktion einfach die Struktur, die am besten auf Tagespolitik reagieren kann. Der Buvo hat keine “Beinfreiheit”; die Basis hat kein Sprachrohr und zudem strukturell bedingt Problemem mit dem Tempo der Tagespolitik Schritt zu halten.
    Wenn also in der Tagespolitik mal was dran kommt, was wirklich für uns interessant ist, spricht nichts dagegen, sich auch damit zu befassen.

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  23. Steffen Roski23. Januar 2013

    Was den Einfluss der Bertelsmann Stiftung auf die NRW-Politik angeht, so sollten wir Piraten dies Thema einmal mit einer entsprechenden parlamentarischen Anfrage bearbeiten. Begleitend dazu kann dann auch öffentlichkeitswirksam einiges laufen. Als langjähriger Kritiker des Gütersloher Medien- und Dienstleistungsriesen stelle ich gern meine Mitarbeit dabei in Aussicht!

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  24. Brax5925. Januar 2013

    Ja, ja, ja.
    Das wird von uns erwartet, entern und aufmischen und wenn das nicht geht, Öffentlichkeit um dem Bürgern die Verlogenheit der Parlamente vor Augen zu führen.
    Danke dafür!

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  25. Scromexc Roxc25. Januar 2013

    Endlich mal die Vision einer eigentlich normalen Vorgehensweise. Ist selten geworden bei uns. Jetzt konsequent umsetzten! Viel Erfolg

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  26. […] Wir haben noch viere­in­halb Jahre Zeit, hier im Land­tag etwas zu verän­dern. Das machen wir nicht, indem wir uns anpassen. Das machen wir nicht, indem wir uns wie die LINKE in Lager spal­ten, Luftschloss-Anträge stellen und am Ende so verzweifelt sind, dass wir sogar unserem eige­nen Todesurteil ein­stim­mig zus­tim­men wür­den. […] Rundge­lutschte Polit­profis haben die Anderen schon genug. Meine Ecken und Kan­ten sind schon ziem­lich angeschlif­fen – das Pro­fil wieder zurück zu bekom­men wird ein har­ter Weg. Aber ich werde ihn gehen. Ich möchte jeden dazu ein­laden, mitzukom­men. Wir waren anders und soll­ten das auch wieder sein, wir woll­ten die Poli­tik verän­dern und nicht uns. Wir woll­ten das große Update sein und nicht nur in kleiner Bug­fix. (Michele Marsching – Frei­heit muss man ausat­men) […]

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  27. Leo31. Januar 2013

    So hab’ ich mir Dich politisch aktiv vorgestellt – genau so weiter.

    Antworten
  28. [Als Spam markiert von Antispam Bee | Spamgrund: Server IP]
    […] Kurzresumée zur Niedersachsenwahl mit Aufschlag Michele zu Beginn der […]

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  29. Rolf Leitze3. März 2013

    Eine klasse Situationsbeschreibung, so vollzieht sich Lernen. Weiter so, dann wird was draus. Der Satz “Ehrlich bleiben, zu den Bürgern, zu Mitgliedern, zu Kollegen, aber vor allem zu sich selbst” zeigt mir eine ethische Grundhaltung, die mich an Kants kategorischen Imperativ erinnert (alle deutschen Offiziere der letzten Weltkriege hatten ihn lernen müssen – keiner hielt sich daran – bis auf einzelne Ausnahmen). In einer Version von Jonas lautet der KI: „‚Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.” Wie weit wir davon als “Homo Sapiens” noch meilenweit entfernt sind, sehen wir überdeutlich an der Wirtschaftkrise, dem Geldmanagetment von Banken und Managern und erneut besoners deutlich an den Lebensmittelskandalen. Wenn wir nicht endlich wieder ethische Maximen in den Mittelpunkt politischen Denkens und Handelns rücken, sehe ich keine gute Perspektive für die Zukunft unserer Kinder. Der heute vorherrschende “Hauptsache-Ich-Egoismus” kann es doch nicht sein!!

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